|
Jens
Marco Scherf - Stadtrat & Kreisrat |
Bündnis
90 / DIE GRÜNEN Kreistagsfraktion
www.fraktion.gruene-miltenberg.de
Carl-Wiesmann-Str. 11 63939 Wörth
am Main 09372/921961 jemascherf@aol.com |
Wörth am Main, den 5.Januar 2010
Herrn
Landrat
Roland Schwing
Postfach
1560
63885
Miltenberg
Sehr geehrter Herr Landrat Schwing,
wir bitten Sie darum, folgenden Antrag in der nächsten Kreistagssitzung auf die Tagesordnung setzen zu lassen:
Der Kreistag beschließt:
Der Landkreis Miltenberg strebt
an, sich bis zum Jahr 2038 mit erneuerbarer Energie zu 100% autark zu versorgen.
In einem Teilschritt ist bis zum Jahr 2025 eine 50%ig autarke Versorgung mit erneuerbarer
Energie anzustreben.
Diese Selbstverpflichtung dient als Grundlage für alle
künftigen Beschlüsse und Vorhaben des Landkreises in den Bereichen Verkehr,
Stadtentwicklung und Bauen.
Die Verwaltung des Landkreises Miltenberg
wird beauftragt, ein Konzept zu erstellen, wie dieses Ziel umgesetzt werden
kann.
Begründung:
1.
Die
Jahre von 2000 bis 2009 waren die wärmsten seit mindestens 130 Jahren: Der
Deutsche Wetterdienst (DWD) errechnete für diesen Zeitraum eine
Durchschnittstemperatur von 9,4 Grad Celsius – 1,2 Grad höher als das langjährige klimatologische Mittel von 1961 bis 1990.Auch
auf die einzelnen Jahre gerechnet ergaben sich durchweg höhere Werte. 2000 und
2007 waren mit einem Mittelwert von jeweils 9,9 Grad die wärmsten Jahre seit
Beginn der Aufzeichnungen. Selbst 2004, das kühlste Jahr des vergangenen
Dezenniums, lag mit einer Durchschnittstemperatur von 9,0 Grad noch deutlich
über dem langjährigen Mittel von 8,2 Grad. Der Klimawandel schreitet
unaufhörlich voran und gefährdet die Existenz der Menschheit in nie dagewesener
Weise.
2.
Seit
Mitte der 90er Jahre sind die Erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch, seit
wenigen Jahren kommt auch die Energieeffizienz voran. Bereits 2011 oder 2012
werden die Erneuerbaren zur wichtigsten Stromquelle angewachsen sein. So
jedenfalls lautet die Prognose des Bundesverbands der Energie- und
Wasserwirtschaft (BDEW). Bis die Erneuerbaren auch in den Sektoren Raumheizung,
Verkehr, Prozesswärme etc. die Führung übernommen haben, steht noch ein
anstrengender Weg vor uns. Aber: Dieses Projekt muss eingerichtet werden, um
die Bürgerinnen und Bürger unserer Region vom Erfolg dieses Weges zu überzeugen
und zur Nachahmung der zahlreichen Vorbilder zu motivieren.
3.
Nach
dem offensichtlichen Misserfolg der UN-Konferenz in Kopenhagen kommt es umso
mehr auf die Aktivität vor Ort an. Nur hier kann Klimaschutz gelingen! Neben
der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann rief auch
Papst Benedikt XVI. in seiner Neujahrsbotschaft zum Kampf gegen die
Klimaveränderung auf: „Jeder einzelne ist gefragt, um die ökologische Wende zu
vollziehen, und neue Lebensstile einzuüben.“ Motto des alljährlichen
Weltfriedenstages am 1. Januar 2010 war: „Willst du den Frieden fördern, so
bewahre die Schöpfung!“ Ökologie ist die Parole, auf die das geistliche
Oberhaupt seine über eine Milliarden Gläubigen, die Staatenlenker der Welt
(auch der Landrat des Landkreises Miltenberg ist
gemeint) und alle Menschen guten Willens (davon fühlen sich, so hofft die
Grünen-Fraktion, alle Kreisrätinnen und Kreisräte angesprochen, gerade auch die
mit einem „C“ im Parteinamen)
einschwören will. Aus Sicht des Papstes sind eine gerechte und
nachhaltige Nutzung der Ressourcen, der Kampf gegen den Klimawandel längst zu
einer Schlüsselfrage für das friedliche Zusammenleben auf der Erde geworden.
(Bote vom Untermain, 2./3. Januar 2010). Frau Käßmann hatte
als Oberhaupt der evangelischen Christen in Deutschland trotz des
enttäuschenden Ausgangs des Klimagipfels appelliert, dass sich die Menschen
jetzt nicht entmutigen lassen dürften, sich weiter, für eine gerechte
Klimapolitik zu engagieren. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang ausdrücklich
an die in diesem Jahr veröffentlichte EKD-Denkschrift „Umkehr zum Leben -
Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels“ sowie an die Kundgebung
der EKD-Synode vom November 2008 „Klimawandel – Wasserwandel –
Lebenswandel“.
4.
Bereits
mehrere Landkreise wie z.B. der Odenwaldkreis oder der Landkreis Bamberg (gemeinsam
mit der Stadt Bamberg) verfolgen dieses Ziel, das auch die Landkreise
Fürstenfeldbruck, Bad Tölz/Wolfratshausen, Miesbach, Starnberg, München, Ebersberg
und Berchtesgadener Land anstreben, bis Mitte der 30er Jahre eine autarke
Energieversorgung zu realisieren. Es bietet sich für die Konzepterstellung an,
externe Fachstellen mit einer Machbarkeitsstudie zu beauftragen sowie Gemeinden und Städte des Landkreises in die
Umsetzung des Ziels zu integrieren.
5.
Die
Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN hat mit dem im Kreistag 2008 debattierten
Konzept „Energiewende im Landkreis Miltenberg bis zum
Jahr 2038“ (EMIL 38) bereits das Ziel formuliert und mit weiteren Anträgen (z.
B. Energiepässe für die Kreisgebäude, Photovoltaikanlagen
auf den ehemaligen Mülldeponien) Ansätze zur Umsetzung aufgezeigt – jetzt
müssen konkrete Schritte im Rahmen eines umfassenden Konzeptes folgen. Dabei
kommt dem Landkreis eine zentrale Bedeutung zu, denn nur er kann die Bemühungen
vor Ort bündeln und alle wichtigen Akteure an einen Tisch holen.
Mit
freundlichen Grüßen im Namen der Fraktion
Jens
Marco Scherf, Kreisrat & Sprecher der Fraktion